Dienstag, 22. Mai 2012

All the way to ZANZIBAR...


Hallo zusammen,


seit gestern Abend bin ich nun wieder in Uganda in „meinem Wald“.
Hinter mir liegen eine sehr interessante Zeit in Tansania und ein traumhafter Urlaub auf Sansibar.






Ich hatte die Möglichkeit meine Kollegen von APCCC in Tansania und deren Programm kennen zu lernen. Dort hat man bezüglich Klimawandel und Armut sehr ähnliche Probleme wie in Uganda, sodass wir in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten und uns austauschen wollen. So haben wir zum Beispiel erste Schritte zum Einsatz der Solarkocher und Energiesparöfen in Tansania eingeleitet.

 Anschließend hab ich mich auf den Weg in den Süden in die größte Stadt Tansanias, Dar es Salaam gemacht, was mich eineinhalb Tage in einem klapprigen Reisebus gekostet hat. Dort hab ich dann Vertreter von Organisationen wie der GIZ oder der Konrad Adenauer Stiftung getroffen, was super interessant und sich (hoffentlich) auch als hilfreich für unsere zukünftige Arbeit erweisen dürfte.


Nach all den Strapazen war es dann höchste Zeit mal etwas auszuspannen und ich dachte mir, dass ich Dar es Salaam auf keinen Fall verlassen kann ohne Sansibar besucht zu haben. Diese Insel liegt ca. 1,5 Stunden mit einer Fähre von Dar entfernt und hat sich den Ruf als Urlaubsparadies wirklich verdient. Die Strände sind strahlend weiß und das Wasser türkis-blau. In den letzten Jahrhunderten wurde Sansibar stark von arabischen Einflüssen geprägt, sodass die Kultur irgendwo in einem spannenden arabisch-afrikanischen Zusammenspiel anzusiedeln ist. Auf Sansibar hab ich mir auch einen Kindheitstraum erfüllen können und habe meinen Tauchschein gemacht. Da es meine ersten Tauchgänge waren fehlt mir natürlich der Vergleich, aber ich war absolut überwältigt vom Tauchen und der Unterwasserwelt Sansibars (inklusive Delphinen, Korallen, Riesenschildkröten usw.)






Die Zeit auf Sansibar verging viel zu schnell und so musste ich mich dann auch wieder viel zu früh auf den Weg zurück nach Uganda machen. Da es keinen direkten Bus von Dar nach Kampala gab, musste ich einen Umweg durch Bukoba machen und dann von dort über Kampala zurück in „meinen Wald“ was insgesamt rund 2000km gewesen sein dürften. Diese Busreisen sind irgendwie ganz charmant und „afrikanisch“, da man wirklich viel zu sehen bekommt, interessante Menschen kennenlernt und –anders als beim Fliegen- auch einen Eindruck von der Distanz bekommt, die man zurücklegt. Allerdings sind die Busse nach wenigen Stunden schon ziemlich unbequem. Häufig fährt man noch nicht mal auf geteerten Straßen, sondern auf holprigen Pisten, sodass man ordentlich durchgeschüttelt wird. Man fährt morgens gegen 6 Uhr los und macht dann gegen 22 bis 23 Uhr Pause. Am nächsten Morgen geht’s dann um 5 weiter. Dazwischen hält man nie länger als rund 5 Minuten irgendwo im Busch an, dass die Leute sich erleichtern können. Ab und zu halten die Busse dann auch noch in Dörfern, wo man sich dann durchs Fenster was zu essen und trinken kaufen kann. Alles in allem also nicht gerade die angenehmste Art zu reisen, aber auf jeden Fall ein Erlebnis.



Inzwischen bin ich also wieder in Najembe angekommen, wo jetzt jede Menge Arbeit auf mich zukommen wird. Glücklicherweise konnten wir 2 neue Mitarbeiter für unser Office hier gewinnen, sodass die Arbeit während meiner Abwesenheit weiterging und sich jetzt einiges getan hat. Dazu dann aber mehr beim nächsten Mal.


Beste Grüße und Danke für euer Interesse,
Claudius





Sonntag, 29. April 2012

Erste Bilder aus Tansania und wie wir gegen den Klimawandel vorgehen wollen


Hallo alle zusammen,

heute gruesse ich euch recht herzlich aus einem Internetcafe in Bukoba, im aeussersten Norden Tansanias.
Hier werde ich mich voraussichtlich noch einige Tage aufhalten bevor ich mich auf meinen Weg quer durch Tansania in Richtung Daressalam und Zanzibar mache. Der Grund fuer meinen Aufenthalt hier ist, dass ich die Arbeit und die Mitglieder von APCCC in Tansania kennenlerne, unsere Arbeit in Uganda vorstelle und herausfinde, in welchen Bereichen man in Zukunft zusammenarbeiten oder voneinander lernen kann. Genauere Infos was man hier so treibt das naechste Mal. Zunaechst schulde ich euch naemlich noch einige Antworten auf die Fragen, die im letzten Eintrag aufgeworfen wurden.



(auf einem kleinen Berg mit Blick über den Lake Victoria)

(bei einem Treffen mit Mitgliedern von APCCC Tansania)


Erstmal tut es mir leid, dass es dieses Mal so lange gedauert hat, bis ich wieder etwas von mir hoeren gelassen habe. Ich war leider recht beschaeftigt mit der Arbeit in Uganda und den Vorbereitungen fuer die Reise nach Tansania.

Das letzte Mal hatte ich versucht etwas genauer auf Klimawandel im Allgemeinen einzugehen und die Probleme in und um den Mabira Forest zu erlaeutern. Zusammengefasst haben wir dort ein grosses Problem mit der massiven Abholzung, die sowohl die Menschen in dem Gebiet als auch die Umwelt in ihrer Existenz gefaehrdet. Verantwortlich fuer die Abholzung sind allerdings hauptsaechlich die Menschen in dem Wald selbst, da sie aufgrund ihrer extremen Armut keine alternative Einkommensquelle sehen, um ihre Familien durchzubringen. Zusaetzlich besteht auch eine grosse Nachfrage nach Feuerholz und Holzkohle. Schliesslich muessen die vielen Menschen in Uganda ja mit irgendwas kochen und eine Alternative durch Gas oder Elektrizitaet gibt es fuer sie nicht. Schlussendlich fehlt in diesen Gebieten auch ein Bewusstsein fuer diese Problematik, da Themen wie Klimawandel oder Umweltschutz im Allgemeinen in den Schulen kaum relevant sind.

Wie kann APCCC jetzt gegen diese Probleme vorgehen?

Punkt 1: Solartechnologie und Energiesparoefen
APCCC arbeitet an der Verbreitung von Alternativen zu dem massiven Einsatz von Feuerholz und Holzkohle. Hierfuer sind insbesondere Institutionen geeignet, welche grosse Mengen an Feuerholz benoetigen, da fuer viele Personen gekocht werden muss, wie z.B. Schulen, Krankenhaeuser, Waisenhaeuser, Restaurants usw. Werden Solarkocher und Energiesparoefen miteinander kombiniert, so waeren beispielsweise Schulen in der Lage 60 bis 70 Prozent an Feuerholz einzusparen. Aktuell wird dort hauptsaechlich mit dem sogenannten Threestone Fire gekocht, welches durch den hohen Energieverlust extrem ineffizient und durch die Rauchbildung auch sehr gesundheitsgefaerdent fuer die Koechinnen ist. Ein Einsatz dieser Technologie waere also oekonomisch – durch die hohen finanziellen Einsparungen – und oekologisch zugleich, da dadurch weitaus weniger Holz benoetigt werden wuerde. Groessere Schulen hier benoetigen taeglich einen kleinen LKW voller Feuerholz und dieses Problem wird in Zukunft durch das Bevoelkerungswachstum und die Knappheit der natuerlichen Ressourcen ohne Zweifel noch groesser werden.


(Bei der Demonstration des Solarkochers. Der Fokus in der Mitte wird durch die Reflektion der Sonnenstrahlen so heiß, dass Papier sofort Feuer fängt)



(Beispiel füer einen Energiesparofen. Entscheidend ist zu verhindern, dass die heiße Luft zu den Seiten "fluechten" kann, wie es bei dem offenen Threestone Fire passiert. Wenn die heiße Luft "gebuendelt" und zum Topf gefuehrt wird kann man etwa 60-70Prozent des Feuerholzes sparen. Die Investitionskosten von ca. 1000 Euro fuer einen großen Ofen mit mehreren Kochfeldern ließen sich durch die Ansparungen in kurzer Zeit wieder "reinholen" )


Punkt 2: Einbindung von Klimawandel und Umweltschutz in den Stundenplan von Schulkindern
Geplant ist es fuer die Schulen, welche mit uns zusammenzuarbeiten wollen Aspekte wie Klimawandel, regenerative Energiequellen und Umweltschutz im Allgemeinen in den Stundenplan der Kinder zu integrieren. Es gibt wohl kaum 2 Meinungen darueber, dass es insbesondere wichtig ist Kinder und Jugendliche anzusprechen und im Bezug auf diese Themen zu sensibilisieren, da diese Generation am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden wird und es diese Generation sein wird, welche das Problem loesen werden muss. Diese Form der Praevention ist unverzichtbar, wenn man ein Bewusstsein hierfuer schaffen will.

Punkt 3: Workshops zum Thema oekologische und nachhaltige Landwirtschaft
Wie ich bereits mehrfach beschrieben habe ist eine zentrale Ursache der Abholzung die extreme Armut der Menschen hier. Alternative Einkommensquellen und Jobs gibt es so gut wie nicht. Mehrere Personen aus dem Wald haben mir erklaert, dass sie gerne etwas anderes machen wuerden um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Hierfuer fehlt aber haeufig das Know-How und das Startkapital. Insbesondere im Bereich Landwirtschaft sehen wir grosse Chancen fuer diese Menschen, da es eine ausreichende Nachfrage nach Lebensmitteln geben wuerde und die Rahmenbedingungen recht guenstig sind. Viele Personen erzaehlten uns, dass sie auch schon mal versucht hatten in diesen Bereich zu starten, allerdings fehlte das grundlegende Wissen ueber Dinge wie geeignetes Saatgut, Herstellung und Verwendung von Duengemitteln, Wassermanagement usw. Das Ergebnis war, dass diese Personen scheiterten, das Getreide und die Fruechte Krankheiten bekamen und eingingen und die Menschen daraufhin wieder zwanglaufig beim Baeumefaellen landeten. Aus diesem Grund wollen wir nun sowohl die Nahrungsmittelsicherheit dieser Familien verbessern und sie gleichzeitig auf der Suche nach einer alternativen und umweltfreundlichen Einkommensquelle unterstuetzen um der Abholzung zu begegnen.

Punkt 4: Treeplanting
Aufgrund der massiven Abholzung ist es absolut notwendig so schnell wie moeglich mit einer ebenso massiven Aufforstung zu beginnen, um den Mabira Forest die Chance zu geben sich nach und nach zu erholen um wieder eine Lebensgrundlage fuer die zukuenftigen Generationen darzustellen und um einer Verschaerfung des reginoalen Klimawandels vorzubeugen.

Weitere Aktivitaeten:
Im Moment sind noch weitere Aktivitaeten im Bereich Fair Trading und Muellmanagement geplant, diese stehen aber erst am Anfang und ich muss auch wieder los jetzt... =) 

So, das wars mal von der Stelle. Als Belohnung fuers Lesen gibt’s jetzt noch einige Bilder aus dem wunderschoenen Tansania…

Wenn es zu diesem Programm Fragen, Feedback oder Anregungen gibt wuerde ich mich freuen von euch zu hoeren. (claudius_baumann@web.de)

Liebe Gruesse
Claudius   
       

Mittwoch, 11. April 2012

Wie man in Uganda gegen den Klimawandel kämpfen kann

Hallo alle zusammen,

ich hoffe euch geht’s allen gut und ihr hattet schöne Ostern.
Hier in Uganda ist Ostern aufgrund des tiefen Glaubens der Menschen natürlich von großer Bedeutung. Deshalb geht man über die Feiertage regelmäßig in die Kirche und trifft sich mit der ganzen (in Uganda oft riesigen) Verwandtschaft. Glücklicherweise ist Ostern hier allerdings deutlich friedlicher und gemütlicher als letztes Jahr auf den Philippinen (siehe dazu: http://claudiusontheway.blogspot.com/2011/04/hallo-alle-zusammen-heute-wirds-etwas.html) 

Ich selbst habe die meiste Osterzeit in einem Campsite am Nilufer verbracht, was wirklich super-schön war.






Ansonsten geht es mir immer noch sehr gut. Ab dem 20. April werde ich für einige Wochen nach Tansania reisen, um dort die anderen Projekte von APCCC zu besuchen, das Programm dort kennenzulernen und um zu sehen, wie sich diese mit den Programmen aus Uganda verbinden lassen. Auf diesen Trip freue ich mich schon sehr, da auch unter anderem ein „Urlaub“ auf Zanzibar geplant ist. Ich hab mir sagen lassen, dass das ganz schön sein soll… =)

Heute möchte ich mal die Gelegenheit nutzen um ein bisschen etwas über unsere Arbeit in Uganda zu erzählen und unsere Ansatzpunkte gegen den Klimawandel und für die Menschen hier zu erläutern.

Vorab zum Thema Klimawandel: Meiner Meinung nach macht es Sinn an dieser Stelle zwischen einem globalen und einem lokalen Klimawandel zu unterscheiden. Gegen den inzwischen nicht mehr von der Hand zu weisenden weltweiten Klimawandel und den daraus resultierenden Wetterextremen lässt sich aus Uganda aus natürlich kaum etwas ausrichten. Solange Staaten wie die USA, China, Kanada und viele mehr weiterhin ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen über ihre Verantwortung für künftige Generationen stellen, scheint ein Einsatz gegen Klimawandel in Afrika auf den ersten Blick wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Dieser Eindruck relativiert sich allerdings schnell, wenn man sich die regionalen Umweltzerstörungen und die daraus resultierenden Wetterumschwünge genauer betrachtet.
Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber als Beispiel könnte man an dieser Stelle die zunehmende Austrocknung des Lake Victoria nennen, die die Existenz vieler Menschen um den See gefährdet.

An dieser Stelle kommen wir jetzt zu der Arbeit von APCCC in und um den Mabira Forest. Dieser Regenwald ist mit 300 km² der größte in dieser Region Ugandas und von entscheidender Bedeutung für ein gemäßigtes und regenreiches Klima in Zentral - Uganda.
Außerdem leben verschiedene seltene und bedrohte Tierarten in diesem Wald.

In den letzten Jahren sieht sich der Wald allerdings zunehmend mit einer wachsenden Bedrohung durch die massive Abholzung konfrontiert. Dies liegt einerseits an den umliegenden Zuckerrohrplantagen, deren (ausländischen) Besitzer die nötigen finanziellen Mittel haben, um die Regierung von einem Verkauf großer Waldgebiete zu überzeugen. Auf der anderen Seite holzen insbesondere die von extremer Armut betroffen Bewohner des Waldes diesen illegal ab, da es an alternativen Einkunftsquellen fehlt, die Nachfrage nach Brennholz allerdings groß ist.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass der Rückgang der Regenmenge und der Anstieg der Temperaturen auch auf diese beschriebene Abholzung zurückgehen.

Ein zentrales Problem in Uganda ist, dass quasi alle Haushalte und Institutionen wie Schulen, Unis, Verwaltungen usw. auf ein Kochen mit Brennholz oder Holzkohle angewiesen sind. Elektrizität oder Gas sind als Alternativen hierzu aufgrund der hohen Kosten kaum geeignet. (ca. 10% aller Ugander haben einen Zugang zu Elektrizität)

Diese ganzen Zusammenhänge lassen sich folgendermaßen vereinfachen:

Die Leute in dem Wald sind extrem arm – es gibt kaum alternative Jobs neben dem illegalen Abholzen – auf der anderen Seite besteht eine große Nachfrage nach Feuerholz/Holzkohle da wiederum keine Alternativen dazu vorhanden sind - bei dem enormen Bevölkerungswachstum wird sich diese Entwicklung aller Voraussicht nach noch zuspitzen – Durch die Abholzung des Mabira Forests wird der regionale Klimawandel vorangetrieben – dieser trifft hauptsächlich die arme, ländliche Bevölkerung, da diese als Kleinbauern an meisten von gemäßigten Wetterbedingungen abhängen (über 80% aller Uganda arbeiten in der Landwirtschaft, viele davon als „Subistenzbauern“)

Daraus ergeben sich 3 zentrale „Angriffspunkte“ für die Arbeit von APCCC in Uganda

1)    Die Menschen brauchen eine Alternative zum konventionellen Kochen mit Feuerholz oder Holzkohle. Schließlich können wir den Menschen nicht erzählen, dass sie damit aufhören sollen Holz zu schlagen, wenn sie doch irgendwie für ihr Familien kochen müssen.

2)    Die Menschen in dem Wald brauchen einen Weg aus der extremen Armut und eine alternative Einkommensquelle, um den Lebensunterhalt für ihre Familien auch ohne das illegale Abholzen verdienen zu können.

3)    Die Menschen, insbesondere die Kinder müssen über Punkte wie Umweltzerstörung oder Klimawandel aufgeklärt werden, da schließlich die Kinder in Zukunft am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden werden, aber eben auch die Generation darstellt, die dieses Problem lösen muss.


An diesen Punkten arbeiten wir also im Moment, wobei wir uns meiner Meinung nach auf einem recht vielversprechenden Weg befinden. Wie diese „Angriffspunkte“ in der Praxis schließlich in Angriff genommen werden sollen und welche Projekte wir hierzu zur Zeit ins Leben rufen erzähle ich euch dann beim nächsten Mal, um euch hier nicht „überzustrapazieren“.

Liebe Grüße aus Najembe,
Claudius 


Sonntag, 25. März 2012

Auf den Spuren des Genozids- Eine verwirrende Reise nach Ruanda

Hallo alle zusammen,

ich hoffe euch geht es gut.

Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, um euch von meiner Reise nach Ruanda zu berichten. Hinter mir liegt eine sehr ereignisreiche, spannende aber zum Teil auch schockierende Woche, aber der Reihe nach:

Mein erster Trip außerhalb Ugandas begann letzten Freitag. Nach den letzten zwei Monaten in Uganda wurde es nun höchste Zeit für mich endlich „loszuziehen“ und neue Eindrücke von Ostafrika zu erhalten.
Nach einem interessanten Meeting in Kampala mit Oxfam Uganda blieb ich dort für eine Nacht und machte mich anschließend auf den Weg in Richtung Ruanda.

Nach einem Tag an dem wunderschönen “Lake Buyoni“ ging es dann über die Grenze nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas, das Land das die meisten Menschen mit dem Genozid im Jahr 1994 in Verbindung bringen, in dem innerhalb von 2 Monaten bis zu 1 Millionen Menschen getötet wurden (die offizielle Zahl liegt bei 800.000, allerdings herrscht hier Uneinigkeit). Inzwischen hat sich Ruanda allerdings erstaunlich positiv entwickelt und gilt gemeinhin als „das Musterland“ in ganz Ostafrika.

Massengrab in der Genozid-Gedenkstätte "Gioszi"


So war ich absolut überrascht von Kigali, da mich die Stadt eher an eine europäische Metropole erinnerte, als an eine Stadt in Afrika, welche vor einigen Jahren noch ein Kriegsschauplatz gewesen war. Man sieht nirgends Müll auf de Straßen, der Besitz von Plastiktüten wird mit empfindlichen Strafen geahndet, die Straßen sind in einem Top-Zustand, die Stadt ist unheimlich grün mit vielen Bäumen und Wiesen, im Zentrum sieht man zahlreiche super-moderne Wolkenkratzer und vieles mehr. Man hat so richtig, das Gefühl, dass sich in diesem Land etwas tut. Kurzum, es war das exakte Gegenteil von Uganda, insbesondere von Kampala.






Einige Bilder aus Kigali


Diese erstaunliche Entwicklung wirft aber natürlich einige Fragen auf, beispielsweise: „Wie kann sich ein Land innerhalb so kurzer Zeit nach einem solchen Ereignis nur derartig entwickeln? Wie kann eine Gesellschaft funktionieren, in der so ziemlich jeder Einzelne in irgendeiner Weise entweder als Opfer oder als Täter in einem so grausamen Völkermord involviert war?“ Diese Fragen stellten sich mir schon seit Längeren und waren wahrscheinlich der Hauptgrund für meine Reise.

Insbesondere in Kigali bekam ich die Möglichkeit diesen Fragen nachzugehen und einen umfassenden Einblick in die Geschehnisse um den Genozid zu erhalten.
An dieser Stelle möchte ich nun nicht alle Details zu dem Völkermord und der Vergangenheit Ruandas erwähnen, da das hier wohl den Rahmen sprengen würde, deshalb nur die wichtigsten Infos, wie es zu dem Genozid kommen konnte.

Ruanda war ursprünglich eine deutsche Kolonie bis Deutschland nach dem 1.Weltkrieg alle Kolonien abgeben musste. So übernahmen die Belgier die Herrschaft über Ruanda. Auf diese Zeit geht auch die Einteilung in „Hutu“ und „Tutsi“ zurück. Es handelt es sich hierbei nämlich keineswegs um Volksgruppen oder Stämme wie gemeinhin angenommen, sondern um eine eher willkürliche Unterteilung, die von den Belgiern vorgenommen wurde. So entschieden die Kolonialherren, dass in Zukunft alle Familien mit mehr als 10 Rindern zu den Tutsi gehören, und Familien mit weniger ab sofort Hutu sein sollten. Die Tutsi stellen mit ca. 15 Prozent eine Minderheit dar, wurden allerdings von den Belgiern stark gefördert und nach dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft als Führung des Landes eingesetzt. Diese Macht nutzen die Tutsi aus und unterdrückten die Mehrheit der Hutus massiv und nutzen ihre Macht bis zu einem Punkt aus, an dem die Hutu Mehrheit die Macht in Ruanda übernahm.

Daraufhin begannen sich die Hutu zunehmend an den Tutsi für die Unterdrückung zu rächen, sodass es schon vor 1994 zu zahlreichen Massenmorden an Tutsi kam. Die Stimmung gegenüber der Tutsi Minderheit wurde - angestachelt von Hutu-Extremisten, massiver Propaganda und führenden Politiker - immer feindseliger. Den Start des Genozids leitete ein Anschlag auf das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten ein, der angeblich von Tutsi verübt worden wäre. (Heute weiß man, dass dieser Anschlag von extremistischen Hutus selbst verübt wurde und als Vorwand für den Völkermord verwendet wurde) Der daraufhin folgende Genozid war offensichtlich von langer Hand geplant. Innerhalb weniger Stunden nach dem Abschuss der Präsidentenmaschinen wurden in ganz Ruanda Straßensperren errichtet, Tutsis gezielt zusammengetrieben und auf brutalste Weise massenhaft getötet. Obwohl die UN Kenntnis hiervon hatte wurden alle Schutztruppen aus Ruanda abgezogen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen. In den folgenden 2 Monaten wurden ca. 1. Millionen Menschen getötet, bis eine aus Uganda kommende Armee von Exil-Tutsis (angeführt von dem heutigen Präsidenten Paul Kagame) dem Morden ein Ende bereitete.

Soweit die Kurzfassung der damaligen Ereignisse. Zahlreiche weitere Details und Informationen zu dem Genozid erhielt ich in der Gedenkstätte in „Geoszi“  Hierbei handelt es sich um eine der ergreifensten und besten Museen, in denen ich jeweils war. Dort wurde man mit dem ganzen Grauen des Völkermordes, aber auch den Hintergründen konfrontiert.



Gedenktafel mit Namen Getöteter und Massengräber in Gioszi


Ziemlich betroffen machte ich mich auf den Weg zu einem Ort namens Nyamata außerhalb Kigalis. Dort befinden sich 2 Kirchen, in denen es damals zu extrem blutigen Massakern gekommen war und die heute als Gedenkstätten dienen. Während der ersten Massenmorde an Tutsi suchten diese stets Zuflucht in Kirchen, da es die Hutu anfänglich nicht wagten aufgrund ihres Glaubens dort Menschen zu ermorden. Dies ändere sich allerdings in dem „großen Genozid“ 1994 und so wurden in der ersten Kirche innerhalb von 2 Tagen ca. 5000 Menschen –hauptsächlich Frauen und Kinder- ermordet (Die Männer verschanzten sich auf einem nahe gelegenen Berg und versuchten Widerstand zu leisten).
Was mich in dieser Kirche erwartete lässt sich an dieser Stelle kaum in Worten wiedergeben. Auf dem Gelände dieser Kirche wurden einige Räume in exakt dem Zustand gelassen, wie man sie nach dem Genozid vorgefunden hatte. Lediglich die Leichen wurden entfernt. In einer Ecke der Kirche waren zahlreiche Knochen und vor allem Schädel offen aufgebahrt. Man sah die Waffen, die die Täter verwendeten (hauptsächlich Macheten, Knüppel und Äxte) und die Kleidung der Opfer.

Ich erhielt eine Führung von einem Mann, der damals als einer der wenigen überlebte, allerdings seine komplette Familie verlor. Er führte mich herum, erklärte wo welche Menschen auf welche Weise getötet wurden, was mit den Leichen geschah und vieles mehr. Spätestens als wir einen kleinen Nebenraum erreichten, in dem hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder getötet wurde, indem man sie gegen Wände schleuderte und man an den Wänden noch Spuren hiervon erkennen konnte, fühlte ich mich wie taub. Ich hatte das Gefühl, als würde mein Kopf „aus Selbstschutz“ einfach abschalten um sich nicht vorstellen zu müssen, was an der Stelle geschah, an der ich in dem Moment stand.
Es gibt wohl keine Worte und beschreiben zu können, was in einem vorgeht, wenn man so unmittelbar mit etwas derartig grausamen konfrontiert wird.

In dem Gespräch mit dem Überlebenden erfuhr ich einige Dinge, die ich kaum glauben konnte. So erzählte er mir, dass er gesehen habe wie nach dem Genozid UN Truppen Tausende von Leichen in Säcke packten und mit Helikoptern in nahegelegene Seen versenkten, um ihr eigenes Versagen zu vertuschen.

Auf die Frage, wie seiner Meinung nach mit den Tätern umgegangen werden sollte erklärte er, dass man diesen nun verzeihen müsse. Seine Mutter und seine Geschwister wären damals von seinem Nachbarn mit einer Machete getötet worden. Nach Ende des Genozids wäre dieser für einige Jahre deshalb im Gefängnis gewesen, allerdings wurde er inzwischen freigelassen und habe ihn um Verzeihung gebeten. Er habe diese Entschuldigung angenommen und heute lebten sie wieder als Nachbarn nebeneinander und kämen sehr gut miteinander zurecht. Ich konnte es nicht glauben und war absolut sprachlos. Wie ist so etwas möglich? Wie kann man denn Tür an Tür mit jemandem leben, der seine eigene Familie getötet hatte? Er erklärte mir, dass das der einzige Weg in eine erfolgreiche Zukunft für Ruanda sein könnte. Man müsse sich verzeihen und aufhören sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Er selbst sei ein gläubiger Mensch und seine Religion gebiete es ihm anderen Menschen zu verzeihen, ganz egal welche Taten diese begangen hätten. Er selbst habe schließlich auch schon Fehler begangen und um Vergebung bitten müssen. Deshalb habe er nun auch seinem Nachbar vergeben. Ohne diese Vergebung gäbe es schließlich keine Zukunft für sein Land und er wolle seinen Teil dazu beitragen diese Zukunft besser zu gestalten und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Etwas ähnlich hatte mir ein anderer Überlebender in Kigali nach meinem Besuch der Gedenkstätte zu erklären versucht.

An dieser Stelle hatte ich wohl die Antwort auf die Frage gefunden, die mich in dieses Land geführt hatte. Die Menschen scheinen sich verziehen zu haben, so unglaublich das für uns im ersten Moment sein mag. Für eine gemeinsame, bessere Zukunft sind die Opfer bereit das geschehene Unrecht hinter sich zu lassen und von Vergeltung abzusehen.

Was mir diese beiden Personen versuchten zu erklären und was ich erst einige Tage später zu verstehen begann, ist wohl eine der beeindruckensten Dinge, die mir jemals begegnet sind.

Ich machte mich anschließend auf den Weg zur zweiten Kirche. Hier wurden ca. 10.000 Menschen getötet. In einem offenen Massengrab sind die Überreste zahlreicher Getöteter zu sehen. Dort sah ich eine unvorstellbare Sammlung an Knochen und Schädeln, die bis zur Decke gestapelt wurden. Es war irgendwie „unwirklich“. Wir alle haben schließlich schon unzählige Schädel in Filmen oder an Halloween gesehen, aber diese Schädel waren auf einmal „echt“. Hinter jedem einzelnen von diesen hunderten von Schädeln steckte ein eigenes Leben, eine eigene Geschichte und ein eigenes Verbrechen. Wirklich realisieren lässt sich das allerdings in diesem Moment nicht.

(Ich denke, dass ihr nachvollziehen könnt, weshalb es an dieser Stelle keine Bilder von diesen Orten geben kann)

Ich verließ diese zweite Kirche in Richtung Kigali nach diesem Tag mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen Schock, Trauer und tiefer Verwirrung anzusiedeln sein dürfte.

Die folgenden Tage war ich in Ruanda unterwegs und sah ein landschaftlich – wunderschönes und beeindruckendes Land. Allerdings wurde ich nun stets von einem unheimlichen Gefühl begleitet. In jedem Bus und jeden Taxi fragte ich mich, welche Rolle die Menschen um mich herum wohl während des Genozids spielten. Sobald ich ein Motorradtaxi nahm kam der Gedanke in meinen Kopf, ob mich wohl gerade ein Mörder irgendwo hinfährt. Dieser Gedanke führt zwar nirgends hin und tut vielen Menschen sicherlich Unrecht, kam aber automatisch, ohne das ich etwas dagegen tun konnte. Es war –wie gesagt – absolut unheimlich.

Auf dem Weg zurück nach Kampala machte ich noch einmal einen Zwischenstopp am Lake Buyoni für eine Nacht und fuhr dann am nächsten Tag zurück in „meinen Wald“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich sehr froh bin diese Reise gemacht zu haben, auch wenn ich wohl immer noch einige Zeit brauchen werde, um alles zu verstehen, was ich in Ruanda erfahren habe, wenn das überhaupt möglich ist. Es ist den Menschen in Ruanda von Herzen zu wünschen, dass diese positive Entwicklung so weiter geht, man aus der Vergangenheit lernt und sich ihre Zukunft besser gestaltet. Sie hätten es ohne Zweifel verdient!

Wow, soviel hab ich wohl noch nie am Stück gebloggt. Ich hoffe, es war nicht zu anstrengend zu lesen. Was letzte Woche passiert ist konnte ich aber nicht kürzer fassen. Manchmal, wenn ich diese Einträge im Nachhinein lese, hab ich zum Teil das Gefühl, dass alles irgendwie mehr für mich selbst zu schreiben, als für euch…=)

Vielen Dank für euer Interesse und eure Geduld. Über Feedbacks oder Fragen würde ich mich freuen.

Claudius

PS: Anbei noch einige Bilder von den „schönen Seiten“ Ruandas








Freitag, 16. März 2012

Der Hype um Kony

Hallo alle zusammen,

sonnige Gruesse dieses Mal aus Kampala. Im Moment befinde ich mich auf dem Weg nach Ruanda mit einem Zwischenhalt in Kabale und da es unser Busfahrer offensichtlich nicht allzu eilig hat melde ich mich mal wieder.


Mir gehts soweit ganz gut in Najjembe, aber im Moment freue ich mich sehr darauf mal ein bisschen „rauszukommen“ und einige andere Dinge zu sehen und neue Eindruecke zu bekommen. Besonders Ruanda soll unheimlich spannend sein, hab ich mir sagen lassen, da sich dieses Land in den letzten Jahren nach dem Genozid sehr gut entwickelt und der direkte Vergleich zu Uganda sehr interessant sein duerfte.







In letzter Zeit Zeit kursiert ja bekanntermassen ein Video ueber die von Joseph Kony angefuehrte ugandische Rebellentruppe LRA im Netz, die schaetzungsweise bis zu 30.000 Kinder rekrutiert haben soll. Besonders beruechtigt ist die LRA aufgrund ihres extrem brutalen Vorgehens.
Die Idee der Macher ist es, Informationen ueber diese Graeueltaten einer breiten Oeffentlichkeit zugaenglich zu machen. Ganz offensichtlich wird eine militaerische Intervention gegen die LRA gefordert, um Kony endlich das Handwerk zu legen und diesen Krieg zu beenden.

In letzter Zeit waechst allerdings auch zunehmend die Kritik an dem Clip,wie ich finde auch zurecht.
Zunaechst erzeugt das Video den Eindruck, dass im Norden Ugandas Krieg herrschen wuerde, was  definitiv nicht stimmt. Schon vor ueber 5 Jahren wurde die LRA aus Uganda vertrieben und musste sich ueber den Kongo und Suedsudan zurueckziehen. Seit diesem Zeitraum hat man auch nichts mehr von Kony gehoert, sodass man sich ueberhaupt nicht sicher sein kann, ob dieser denn noch lebt. Dieses Video mit Aufnahmen, die vor mehreren Jahren entstanden sind , koennte ausserdem den Tourismus in Uganda negativ beeinflussen, der sich eigentlich zunehmend erholt und ein gewaltiges Potential fuer das Land mit sich bringen koennte.

Ein weitere Kritikpunkt an dem Video ist –meiner Meinung nach – das Joseph Kony und seine Armee als Ursache des Konflikts dargestellt werden. Wuerde man Kony endlich das Handwerk legen, waere dieser Konflikt damit beendet, so der Clip. Dabei ignorieren die Macher, die Rolle, die die anderen Konfliktparteien einnehmen. Es gibt in dem ganzen „Zusammenspiel“ zwischen LRA, ugandischer Armee, dem Sudan, dem Suedsudan und dem Kongo nicht eine einzige Partei, die in den letzten Jahren nicht massive Menschenrechtsverletzungen und Massenmorde bis hin zu Genozidversuchen verschuldet hat. Wahrscheinlich gaebe es die LRA auch schon garnicht mehr, wuerde diese nicht vom Suedsudan unterstuetzt werden, da der Suedsudan die Kindersoldten der LRA fuer seine eigenen Zwecke im Konflikt mit dem Sudan eingesetzt hat. Will man denn nun wirklich die ugandische Armee unterstuetzten, eine Armee eines diktatorischen Praesidenten, der massive Menschenrechtsverletzungen zu verantworten hat und zum Beispiel homosexuelle Personen bis zu 10 Jahre einsperren laesst? Darueber hinaus wird der uganischen Regierung bezueglich des Umgangs mit den Fluechtlingslagern im Norden ein „schleichender Genozid“ vorgeworfen. Geschaetzt wird, dass jede Woche bis zu 1000 Menschen in diesen Lagern aufgrund der furchtbaren Bedingungen ums Leben kommen. Genau diese Unterstuetzung wird in dem Video ueber Kony gefordert.

Die wahren Probleme Ugandas liegen in Wirklichkeit an ganz anderen Stellen. Die massive Korruption laehmt das Land. Die zahlreichen Ressourcen werden nicht mal ansatzweise zum Wohle der Menschen hier eingesetzt, das Bildungssystem fuer finanzschwache Familien (und das sind hier fast alle) ist katastrophal, genauso wie die Gesundheitsversorgung. Gerade mal 10 Prozent der Menschen in Uganda haben Strom, waehrend die Ausgaben fuer Militaer von Jahr zu Jahr neue Rekorde erreicht.

Ausserdem muss man sich an dieser Stelle fragen, wie denn eine militaerische Intervention aussehen koennte? Man darf auch immer nicht vergessen, dass man durch militaerisches Vorgehen immer gegen Kinder vorgehen wuerde, die zum Kaempfen gezwungen werden.

Sollte es das Ziel der Macher gewesen sein Aufmerksamkeit fuer diesen Konflikt zu erhalten, so war das Projekt zweifelsfrei ein grosser Erfolg. Auch die kontroverse Debatte die dem Video folgt ist sicherlich grundsaetzlich zu begruessen. Die selbstinszinierende und –meiner Meinung nach- auch selbstgerechte Darstellung der Macher, die dem Zuschauer auf der Coach vermittelt sie koennten einen Krieg durch das Teilen des Videos beenden ist mit dem Wort „naiv“ noch wohlwollend umschrieben. Man darf gespannt sein, wie sich die weiteren Entwicklungen darstellen. Die Ugander selbst allerdings haben kaum Verstaendnis dafuer, dass sich jetzt auf einmal, soviele Jahre nach dem Krieg die ganzen Amerikaner und Europaer so sehr fuer die LRA interessieren, waehrend man sich doch in der Zeit der "tatsaechlichen" Kriege stets vornehmen zurueckgehalten hat.


So, das wars von meiner Seite. Sorry fuer die Rechtschreibfehler, der Bus ist inzwischen losgeholpert =)
Wie seht ihr denn das ganze und wie wird es in Deutschland vermittelt? Ueber ein Feedback zu diesem schwierigen Thema wuerde ich mich freuen.

Liebe Gruesse
Claudius

Freitag, 2. März 2012

News aus dem Medical Centre und der Wahnsinn auf Ugandas Straßen






Hallo alle zusammen,

nachdem es die letzten 2 Wochen etwas ruhig geworden ist in diesem Blog komme ich jetzt mal wieder dazu euch auf den neuesten Stand zu bringen.


Mir geht’s soweit immer noch sehr gut, die Arbeit läuft und von Malaria oder sonstigen Krankheiten bin ich bis jetzt verschont geblieben.

Nachdem einige Vorbereitungen notwendig waren haben wir heute ein kleines „Häuschen“ für die Aufbewahrung der Solarkocher bauen lassen. Bisher musste der Kocher immer ein ganzes Stück zum Centre getragen werden, da er in der Nachbarschaft untergebracht werden musste. Unglücklicherweise war der Kocher zu breit um durch die Türen der Krankenstation zu passen. Nachdem der Solarkocher im Moment trotz schwieriger Wetterverhältnisse regelmäßig von dem Personal genutzt wird, werden wir nun den zweiten Kocher herstellen lassen, sodass in Zukunft parallel gekocht werden und Instrumente steril gemacht werden können.

Der Bau der Hütte war ziemlich chaotisch und ich war wirklich heilfroh, als das Ding dann heute Abend irgendwie fertig war. Wahrscheinlich bin ich aber als Europäer einfach immer noch zu „unentspannt“ für solche Projekte und mach mir immer zu viele Gedanken um alles.
Irgendwie machen das Arbeitsverhalten und die Vorgehensweise der Ugander im ersten Moment immer einen absolut unkoordinierten Eindruck, aber am Ende des Tages klappt es dann meistens doch irgendwie. Was man hier definitiv lernt bzw. lernen muss ist viel Geduld zu haben und flexibel zu reagieren, wenn etwas (mal wieder) nicht so klappt wie geplant…

Außerdem haben wir heute 2 Solarlampen und die dazugehörigen Panels übergeben und angebracht. Damit können die Schwestern in Zukunft jetzt auch nachts ordentlich arbeiten. Gespendet wurden uns die Lampen wie die Kocher von der Organisation EG-Solar, für die wir die Lampen jetzt „testen“ sollen, um festzustellen, wie diese Technologie in Ländern wie Uganda funktioniert und angenommen wird.







Wir werden nun unser Engagement im Bereich des solaren Kochens auf das Gebiet rund um Najjembe ausweiten und eine erste Schule mit 2 Kochern ausstatten.

Privat geht es mir ansonsten ganz gut. Die Möglichkeiten seine Freizeit zu gestallten sind in Najjembe leider etwas begrenzt, dafür lerne ich aber immer mehr Leute hier kennen und bin zunehmend auch in anderen Städten unterwegs. Auch das Nachleben in Uganda habe ich inzwischen kennen lernen dürfen und dieser erste Abend macht auf jeden Fall Lust auf mehr… =)

Leider gibt es aber diese Woche nicht nur Positives zu berichten. Immer mehr werde ich mit dem Wahnsinn auf Ugandas Straßen konfrontiert. Ich finde ja, dass man mit Kritik unheimlich vorsichtig sein sollte, wenn man als Fremder in ein neues Land und einen neuen Kulturkreis kommt. Was aber (meiner Meinung nach) absolut absurd und verantwortungslos ist, ist wie viele Leute hier Auto und Motorrad fahren. Die Straßen und die Autos sind häufig in ziemlich miserablen Zuständen, was die viele Fahrer allerdings nicht davon abhält rechts und links zu überholen und einfach zu hoffen, dass in der nächsten Kurve kein Auto entgegenkommt. Auf der Hauptstraße zwischen Kampala und Jinja gibt es öfters mal Abschnitte, in denen die Straße 3 Spuren hat, woraufhin man sich die Spur in der Mitte dann einfach teilt. Diese unbekümmerte und lockere Art, die die Ugander ansonsten recht sympathisch macht, führt in Kombination mit den schlimmen Straßenverhältnissen zu unzähligen Unfällen. Vor zwei Tagen ist ein Auto hier in Najjembe, als es versuchte einem anderen auszuweichen einfach quer über den Marktplatz geschossen und hat mehrere Menschen –unter anderem einen Bekannten von mir - zum Teil tödlich verletzt.

So, jetzt aber genug rumgenörgt. Beste Grüße nach Deutschland.
Claudius

PS: Ich befinde mich gerade in einem kleinen Dorf nahe Jinja und habe seit ich angefangen habe diesen Eintrag zu schreiben bereits 2 Kakerlaken getötet, 1 Maus verjagt und bin von irgendeinem komischen Insekt gebissen worden. Na dann mal gute Nacht… =)


 Da haben wir an einem Abend frische Ameisen gekocht. War geschmacklich wirklich nicht schlecht...

 Die erste Nacht in meinem neuen Zelt. Vielen Dank dafür an meine Eltern... =)